In den letzten Jahren war die Bajan, die besondere russische Variante des Chromatischen Knopfakkordeons, beim Akkordeonfestival etwas unterrepräsentiert. Heuer jedoch beehren uns zwei ihrer Stars aus der postsowjetischen Diaspora.
Stas Venglevski stammt aus Moldawien, war Schüler von Friedrich Lips und emigrierte 1992 in die Vereinigten Staaten. Er gilt als einer der unumstrittenen Meister auf seinem Instrument und ist Präsident der prestiguösen Accordionists and Teachers Guild (ATG), eine internationale 1940 gegründete Organisation, die sich der didaktischen Möglichkeiten des Akkordeonunterrichts und der Rezeption neuer Techniken widmet. Stas Venglevski brachte z. B. Anthony Galla-Rinis Concerto Nr. 2 zur Uraufführung oder die extra für ihn von Dan Lawitts komponierte Suite "Bayan and Beyond". Obgleich zwischen Klassik und ethnischer Musik oszillierend, weist Venglevski auch eine Affinität zu Jazz auf.
So wie sein ukrainischer Kollege Vladimir Denissenkov aus Cernovitz. Denissenkov schlug 1995 seine Zelte in Italien auf, nachdem er sich bereits als Bajanist der Moskauer Philharmoniker sowie als Solokünstler international einen Namen gemacht hatte. In seiner neuen Heimat arbeitete er u. a. mit Fabrizio de André (auf "Anime salve"), Moni Ovadia und Ludovico Einaudi zusammen. Denissenkov ließ jeglichen Akademismus hinter sich und repräsentiert heute den klassischen bzw. kunstmusikalischen Rand der europäischen World-Music. Besonders mit seiner Band Guzulka empfindet er den Spirit seiner ostslawischen Wurzeln nach (das auch das durch "Time of the Gypsies" berühmt gewordene Lied "Ederlezi" enthält), tut dies unter Verwendung von Bläsern und Frauenstimmen auf eigenwillige, von einem volksmusikalischen oder aber rein klassischen Zugang weit entfernte Weise.